Wiederkehrende Blasenentzündung beim Hund

Oskar ein halbes Jahr nach dem Beginn der Behandlung mit einer Blasenentzündung (c) Dr. Ada von Kriegsheim

In diesem Bericht geht es um einen Hund mit rezidivierender Blasenentzündung. Vorstellig wird er, weil die Besitzerin eine zusätzliche Behandlung zur Schulmedizin wünscht. Die Homöopathie wird als komplementäre Medizin angewendet.

Definition

Komplementär heißt ergänzend. Das Wort kommt aus dem französichen: complementaire (Quelle Wikipedia), bzw. lateinischem complementum: Mittel zur Ergänzung oder das Ausfüllen einer Lücke(Quelle Langenscheidt Wörterbuch). Somit erhält das Tier zur schulmedizinischen Therapie eine ergänzende homöopathische Behandlung.

Anamnese

Oskar ist ein elfeinhalb jähriger kastrierter Rüde aus Griesheim bei Darmstadt und wiegt etwa 25 kg. In regelmäßigem Abstand von acht Wochen bekommt er eine Blasenentzündung, die letztendlich mit Antibiose behandelt wird. Der Hund wird bei Kollegen ausgiebig schulmedizinisch untersucht. Regelmäßig wird das Blut kontrolliert, Ultraschall der Blase und des Abdomens durchgeführt. Die Besitzerin selbst untersucht den Urin mit Teststreifen, um rechtzeitig eine Entzündung zu erkennen.

Nach einer etwa einstündigen Anamnese habe ich mir ein Bild von Oskar geschaffen. Er ist ein etwas misstrauischer Hund, der aber auch sehr zutraulich sein kann. Er ist kein Schmusehund. Mit Rüden verträgt er sich nicht. Im Training will er gefallen und ist eifrig dabei. Er ist für sein Alter noch sehr schnell. Er hatte Anaplasmose, der Titer ist nach der schulmedizinischen Behandlung negativ. Er neigt zu Warzen und Atheromen. Joghurtwasser und Eier mag er, genauso wie die Kälte. Mit Wärme kann er nichts anfangen, obwohl er ab und an Rotlicht mag. Angefangen haben die Beschwerden nach einer Blasenstein Operation. Die Blasenprobleme treten etwa alle acht Wochen auf. Er rennt dann panisch durch den Garten und hebt ständig das Bein. Im Urin finden sich hauptsächlich Calciumoxalat- manchmal auch Struvitsteine. Der pH liegt zwischen 7-8. Oskar hebt das Bein beim Urinieren normal, es sei denn er hat beginnende Rückenprobleme, dann sieht es etwas anders aus. Blähungen hat er keine. Die Herzfrequenz ist bradykard, d.h. langsam. Die Schilddrüsenwerte sind jedoch normal, so dass ich hier von einem gut trainierten Sportlerherzen ausgehe.

Mittelwahl

Mit dem Beginn der Erkrankung nach der Blasenstein OP habe ich eine Causa, die mir bei der ersten Mittelwahl sehr hilft. Staphisagria in einer Hochpotenz kommt zur Anwendung. Hinzu kommt Natrium phosphoricum, eine homöopathische Arznei, die gut bei Calciumoxalatsteinen in der Blase hilft. Das Mittel trifft auf reservierte Patienten, die viel arbeiten, zu. Es ist auch ein Mittel, dass bei Übersäuerung angewendet wird.

Verlauf

Drei Wochen nach Mittelgabe entwickelt sich erneut eine Blasenentzündung. Sarsaparilla wird als Akutmittel gegeben. (Frühere Gaben von Cantharis waren nicht erfolgreich.). Nichtsdestotrotz muss ein Antibiotikum gegeben werden, da Keime in der Blase nachgewiesen sind. Oskar kommt zur nachfolgenden Anamnese und als Folgemittel erhält er Thuja in einer Hochpotenz. Thuja passt auf Oskar wegen seines undurchschaubaren, zurückhaltenden Wesens, dem Verdacht auf Übersäuerung, den Zystitiden und nicht zuletzt wegen der Atherome und Warzen. Aber Achtung, nicht jedes Tier, das Warzen hat, braucht Thuja!

Einen Monat später geht es Oskar gut. Einen weiteren Monat später wurden wiederholt Blutwerte abgenommen und ein Ultraschall der Blase durchgeführt. Letzteres war ohne besonderen Befund. SDMA und Creatinin, zwei Nierenwerte, waren erhöht. Auf Nierendiät reagiert Oskar mit Muskelschwund. Es wird aber auf eine adäquate Ernährung geachtet. Oskar bekommt zusätzlich Solidago.

Vier Wochen später ist die Blase weiterhin ohne Auffälligkeiten. Jetzt zeigen sich Steifheit in der Wirbelsäule und wechselnde Lahmheiten. Insgesamt fällt bei der Untersuchung auf, dass Oskar gar nicht mehr zurückhaltend ist. Er wickelt mich mit seinem Blick doch sehr um den Finger und erhält während der Anamnese einige Leckerlies. Ruta und Rhus toxicodendron werden zusätzlich gegeben.

Weitere vier Wochen später gibt es immer noch Probleme mit dem Bewegungsapparat, Calcium carbonicum wird in einer Hochpotenz gegeben.

Fünf Monate später läuft Oskar zwar steif, aber ansonsten geht es ihm gut. Er hatte keine Blasenentzündungen mehr. Die Nierenwerte wurden einen Monat zuvor kontrolliert und waren wieder im Normbereich.

Einen weiteren Monat später kommt der Hund zur Kontrolle und es ist alles so, wie einen Monat zuvor. Er ist ein gern gesehener, freundlicher Patient in der Praxis. Draußen ist er sehr interessiert und entwickelt Frühlingsgefühle. Der Urin ist laut Stick ohne besonderen Befund.

Fazit

Die komplementäre homöopathische Behandlung hat ihr Ziel erreicht. Oskar muss deutlich weniger Antibiose nehmen. Einmalig waren noch Keime im Urin nachweisbar, die eine antibakterielle Therapie erforderlich machten. Der Beginn der Behandlung ist jetzt ein Jahr her. Oskar ist insgesamt weniger reserviert und sehr freundlich. Mit seinen jetzt 12 Jahren spielt er immer noch gerne, ist aktiv und interessiert. Beim Bewegungsapparat merkt man alterstypische Einschränkungen. Zusätzlich zur Schulmedizin und der Homöopathie wird Oskar osteopathisch, physiotherapeutisch und mit Akupunktur in anderen Praxen versorgt. Diese Methoden helfen sichtbar bei den Problemen des Bewegungsapparates. So ist Oskar ein wunderbares Beispiel für die komplementäre Zusammenarbeit verschiedener Behandlungsmethoden.

Veröffentlicht von Dr. Ada von Kriegsheim

Doktor der Tiermedizin mit der Zusatzbezeichung Homöopathie.

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